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Biomasse heizen: Pellets, Holz und Biogas im Vergleich

Aktualisiert: August 2026 • Lesezeit: ca. 9 Minuten
Holzpellets und Pelletheizung im Keller

Heizen mit Holz ist so alt wie das Haus selbst - und technisch inzwischen alles andere als altmodisch. Moderne Pelletkessel arbeiten automatisch, regeln sich selbst und sind in der CO2-Bilanz deutlich besser als Oel oder Gas. Doch die Preise schwanken stark, der Platzbedarf ist erheblich und die Emissionen sind umstritten. Wir vergleichen Pellets, Scheitholz, Hackschnitzel und Biogas mit konkreten Zahlen fuer ein Einfamilienhaus.

Was beim Heizen mit Biomasse passiert

Biomasse speichert Sonnenenergie in chemischer Form. Beim Verbrennen wird diese Energie als Waerme frei - chemisch gesehen genau das Kohlendioxid, das die Pflanze beim Wachsen aus der Luft aufgenommen hat. Deshalb gilt Holz als klimaneutral, sofern der Bestand nachwaechst und die Verarbeitungskette kurz ist.

Fuer die Praxis entscheidend sind drei Unterschiede zu Gas und Oel. Erstens schwankt der Energiegehalt je nach Holzart und Restfeuchte erheblich. Zweitens braucht jeder Festbrennstoff Lagerflaeche und Trockenheit. Drittens entstehen bei der Verbrennung Feinstaub und andere Emissionen, die gesetzlich begrenzt sind.

Brennstoffe im Vergleich

Die folgende Tabelle zeigt die kennzeichnenden Werte der gaengigen biogenen und fossilen Brennstoffe. Die Preise sind Circa-Werte fuer 2026 und schwanken regional und saisonal - insbesondere bei Pellets sind Unterschiede von 20 Prozent zwischen Winter und Sommer normal.

BrennstoffHeizwertPreis 2026 (ca.)Preis pro kWhCO2 pro kWhBedarf/Jahr (15.000 kWh)
Holzpellets (ENplus A1)4,8 kWh/kg340 bis 400 Euro/tca. 7,5 ctca. 35 gca. 3,5 t (5,5 m3)
Scheitholz Buche, ofentrocken4,2 kWh/kg110 bis 140 Euro/rmca. 5,8 ctca. 25 gca. 9,5 rm
Hackschnitzel, lufttrocken3,6 kWh/kg30 bis 40 Euro/Srmca. 4,5 ctca. 30 gca. 22 Srm
Biomethan / aufbereitetes Biogas9,8 kWh/m313 bis 18 ct/kWhca. 15,5 ctca. 60 gca. 1.700 m3
Erdgas (fossil)10,0 kWh/m312 bis 14 ct/kWhca. 13,0 ctca. 250 gca. 1.600 m3
Heizoel EL (fossil)10,0 kWh/l1,00 bis 1,15 Euro/lca. 10,5 ctca. 320 gca. 1.600 l

Wichtig ist der Unterschied zwischen Heizwert und nutzbarer Waerme: Ein Scheitholzofen mit 78 Prozent Nutzungsgrad holt aus einem Raummeter Buche deutlich weniger heraus als ein Pelletkessel mit 92 Prozent. Der niedrige Preis pro kWh wird also teilweise durch den schlechteren Wirkungsgrad wieder aufgehoben.

Pelletheizung: Technik und Lagerbedarf

Ein Pelletkessel arbeitet weitgehend automatisch. Die Pellets werden per Saugfoerderschnecke oder Fallrohr aus dem Lagerraum in einen Vorratsbehaelter transportiert und von dort dosiert in die Brennkammer gefoerdert. Die Zuendung erfolgt elektrisch, die Leistung wird modulierend an den Bedarf angepasst. Uebrig bleibt Asche, die je nach Verbrauch alle paar Wochen entleert wird.

Der Platzbedarf ist der groesste Nachteil gegenueber Gas. Rund 3,5 Tonnen Pellets passen zwar in ungefaehr 5,5 Kubikmeter Schuettvolumen, ein realer Lagerraum braucht aber wegen Schraegen und Restmengen etwa 10 bis 14 Kubikmeter. Das entspricht ungefaehr sechs Quadratmetern Grundflaeche bei zwei Metern Schuetthoehe - oder einem Erdtank im Garten.

LagerformVolumen (ca.)Kosten (ca.)VorteilNachteil
Gewebetank im Keller4 bis 8 t800 bis 2.000 Euroguenstig, schnell gebautbraucht trockenen, hohen Raum
Mauerwerks- oder Fertigraum5 bis 12 t2.500 bis 6.000 Eurolanglebig, gut belueftbarfester Raumverbrauch
Erdtank im Garten6 bis 15 t5.000 bis 10.000 Eurokein Platz im HausErdarbeiten, Zugang noetig
Sackware (15 kg-Saecke)nach Bedarf6 bis 8 Euro/Sackkeine Einbaukostenteuer, handisch, ca. 11 bis 13 ct/kWh
Pellets muessen trocken lagern. Schon bei einer Luftfeuchte ueber etwa 15 Prozent zerfallen sie zu Staub, der die Foerderschnecke verstopft und die Verbrennung verschlechtert. Achten Sie auf die Norm ENplus A1: Sie garantiert niedrigen Aschegehalt, hohe Pressdichte und definierte Abmessungen.

Pelletpreis-Entwicklung und Beschaffung

Der Pelletpreis ist in den vergangenen Jahren deutlich volatiler geworden. Nach dem Preisschub der Energiekrise hat sich der Markt wieder beruhigt, bleibt aber abhaengig von Saegewerksnebenprodukten, Transportkosten und der Nachfrage im Winter.

JahrPreis pro Tonne (ca.)Preis pro kWh (ca.)Marktlage
2020ca. 240 Euroca. 5,0 ctniedriger Preis, hohe Verfuegbarkeit
2021ca. 270 Euroca. 5,6 ctNachfrage steigt
2022ca. 480 Euroca. 10,0 ctEnergiekrise, Knappheit
2023ca. 380 Euroca. 7,9 ct Entspannung bei sinkender Nachfrage
2024ca. 330 Euroca. 6,9 ctvolle Lager, milder Winter
2025ca. 340 Euroca. 7,1 ctstabil auf mittlerem Niveau
2026ca. 360 Euroca. 7,5 ctleicht steigend, saisonal schwankend

Wer im Fruehjahr oder Sommer bestellt, zahlt im Schnitt 10 bis 20 Prozent weniger als im Winter. Silo-Lieferungen ab etwa drei Tonnen sind pro Tonne deutlich guenstiger als Sackware. Sinnvoll ist ausserdem, die Lieferung an den Oel- oder Gaspreis zu koppeln: Pellets waren in den vergangenen Jahren meist guenstiger pro Kilowattstunde, aber nicht immer.

Scheitholz und Hackschnitzel

Scheitholz ist der guenstigste Brennstoff pro Kilowattstunde - wenn man eigene Arbeit nicht rechnet. Ein Raummeter ofentrockenes Buchenholz liefert rund 2.000 Kilowattstunden und kostet ungefaehr 110 bis 140 Euro. Dafuer braucht es zwei bis drei Jahre Trockenzeit, einen trockenen Unterstand und regelmaessiges Nachlegen. Als alleinige Heizung ist Scheitholz daher heute selten, als Kaminofen oder wassergefuehrter Kachelofen zur Unterstuetzung aber beliebt.

Hackschnitzel sind interessant, wenn viel Platz und ein groesserer Waermebedarf vorhanden sind - etwa in landwirtschaftlichen Betrieben, in Saegewerken oder in mehreren Gebaeuden an einem Nahwaermenetz. Die Anlage braucht einen grossen Bunker, eine aufwendigere Foerdertechnik und einen Kessel mit groberem Ascheaustrag. Dafuer ist der Brennstoff mit ungefaehr 4,5 Cent pro Kilowattstunde der guenstigste Festbrennstoff.

Biogas und Biomethan im Haus

Biogas entsteht, wenn organisches Material - Guelle, Mais, Gruenschnitt, Bioabfall - unter Luftabschluss vergaert. Rohbiogas besteht zu etwa 50 bis 70 Prozent aus Methan und muss fuer die Einspeisung ins Erdgasnetz auf Erdgasqualitaet aufbereitet werden. Dieses Biomethan kann dann in jedem Gas-Brennwertkessel verbrannt werden, ohne dass am Geraet etwas geaendert werden muss.

Fuer Haushalte ist Biomethan vor allem als Tarifoption interessant: Verschiedene Gasversorger bieten Beimischungen von 5 bis 100 Prozent an. Der Preis liegt mit ungefaehr 13 bis 18 Cent pro Kilowattstunde ueber dem von fossilem Erdgas. Die CO2-Bilanz ist deutlich besser, weil das Kohlendioxid zuvor aus der Atmosphaere gebunden wurde - vorausgesetzt, die Rohstoffe stammen nicht aus Intensiv-Maisanbau mit hohem Duengereinsatz.

Ein eigener kleiner Biogas-Reaktor fuer das Einfamilienhaus ist dagegen keine realistische Option. Solche Anlagen sind in Deutschland fast ausschliesslich landwirtschaftliche Grossanlagen im Megawatt-Bereich, die den erzeugten Strom meist direkt einspeisen und die Abwaerme fuer Nahwaerme oder Gaerresttrocknung nutzen.

CO2-Bilanz, Emissionen und Grenzwerte

Bei der Bewertung zaehlt nicht nur das, was aus dem Schornstein kommt, sondern die gesamte Vorkette: Waldbewirtschaftung, Trocknung, Pressung, Transport und Ascheentsorgung. Fuer Pellets ergeben sich daraus Emissionen von ungefaehr 25 bis 45 Gramm CO2 pro Kilowattstunde - gegenueber rund 250 Gramm bei Erdgas und etwa 320 Gramm bei Heizoel.

BewertungskriteriumPellets / HolzErdgasHeizoel
CO2 pro kWh (Vorkette)ca. 25 bis 45 gca. 250 gca. 320 g
Nachwachsender Rohstoffjaneinnein
Feinstaub am Geraetgering bei Pelletkesselsehr geringgering
LagerbedarfhochkeinerTank
Abhaengigkeit von Importengering bis mittelhochhoch
Bedienaufwandmittel bis hochsehr geringsehr gering

Kritisch wird es, wenn mehr Holz verbrannt wird, als nachwaechst, oder wenn Holz ueber weite Strecken importiert wird. Achten Sie daher auf kurze Transportwege, eine Zertifizierung und darauf, dass es sich bei Pellets moeglichst um Reststoffe der Holzverarbeitung handelt und nicht um ganze Staemme.

Die CO2-Bilanz von Holz ist nur auf lange Sicht ausgeglichen: Ein Baum bindet das Kohlendioxid, das bei der Verbrennung freigesetzt wird, erst ueber Jahrzehnte wieder. Kurzfristig entlastet ein Umstieg von Oel auf Holz das Klima trotzdem deutlich, weil die Emissionen pro Kilowattstunde um rund 90 Prozent sinken.

Feinstaub und Emissionsgrenzwerte

Holzfeuerungen emittieren Feinstaub, Stickoxide und Kohlenmonoxid. Fuer kleine Anlagen gilt die Erste Verordnung zur Durchfuehrung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (1. BImSchV). Fuer Pelletkessel liegen die Grenzwerte bei ungefaehr 20 Milligramm Staub und 400 Milligramm Kohlenmonoxid pro Kubikmeter Abgas, bezogen auf 13 Prozent Sauerstoff. Moderne Geraete unterschreiten diese Werte deutlich.

Aeltere Einzelraumfeuerungsanlagen duerfen strengere Werte nicht ueberschreiten: Kaminoefen, die vor 1995 gebaut wurden, muessen bei Grenzwerten von 150 Milligramm Staub und 4.000 Milligramm Kohlenmonoxid nachgeruestet oder ausgetauscht werden, wenn sie diese nicht einhalten. In der Praxis bedeutet das fuer die meisten Altanlagen den Austausch.

Jahreskosten im Vergleich zu Gas und Waermepumpe

Die folgende Gegenueberstellung rechnet mit einem Einfamilienhaus aus den 1990er-Jahren, 140 Quadratmetern Wohnflaeche und einem Waermebedarf von 15.000 Kilowattstunden im Jahr. Beruecksichtigt sind Brennstoffkosten, Wartung, Hilfsstrom und die Abschreibung der Anlage ueber 20 Jahre.

SystemNutzungsgrad / JAZBrennstoffbedarfBrennstoffkostenSumme pro JahrAnschaffung (ca.)
Pelletkesselca. 90 %3,5 t Pelletsca. 1.260 Euroca. 1.700 Euro22.000 bis 32.000 Euro
Scheitholzvergaser mit Pufferca. 78 %9,5 rm Bucheca. 1.150 Euroca. 1.550 Euro14.000 bis 20.000 Euro
Hackschnitzelheizungca. 85 %22 Srmca. 790 Euroca. 1.450 Euro25.000 bis 38.000 Euro
Sole-Waermepumpe (JAZ 4,3)JAZ 4,33.500 kWh Stromca. 1.050 Euroca. 1.450 Euro30.000 bis 45.000 Euro
Erdgas-Brennwertca. 96 %1.600 m3ca. 1.950 Euroca. 2.350 Euro9.000 bis 15.000 Euro
Heizoel-Brennwertca. 94 %1.600 lca. 1.680 Euroca. 2.100 Euro10.000 bis 16.000 Euro

Im laufenden Betrieb liegen alle Holzvarianten und die Waermepumpe deutlich unter Gas und Oel. Bei den Gesamtkosten ueber 20 Jahre relativiert sich der Vorsprung, weil die Anschaffung einer Biomasseheizung zwei- bis dreimal so teuer ist wie die eines Gas-Brennwertkessels. Entscheidend sind deshalb die Entwicklung der Energiepreise und die Frage, ob Lagerraum kostenlos zur Verfuegung steht.

Rechnen Sie bei jeder Biomasseheizung die Arbeitszeit mit. Scheitholz verlangt taegliches Nachlegen und Ascheleeren, Pellets etwa zwei Stunden pro Jahr fuer Reinigung und Asche plus eine Lieferung im Jahr. Wer diese Zeit nicht hat, ist mit Waermepumpe oder Gas besser bedient.

Haeufige Fragen

Wie viel Pellets verbraucht ein Einfamilienhaus im Jahr?

Bei einem Waermebedarf von 15.000 Kilowattstunden und einem Kesselwirkungsgrad von 90 Prozent ungefaehr 3,5 Tonnen. Das entspricht rund 5,5 Kubikmetern Schuettvolumen und kostet 2026 etwa 1.200 bis 1.400 Euro.

Sind Pellets 2026 teurer als Gas?

Nein, meist nicht. Bei einem Pelletpreis von ungefaehr 360 Euro pro Tonne liegen die Brennstoffkosten bei rund 7,5 Cent pro Kilowattstunde, Erdgas kostet etwa 13 Cent. Der Vorsprung schrumpft aber, wenn man Wartung, Hilfsstrom und Anschaffung einrechnet.

Wie sauber ist eine moderne Pelletheizung?

Moderne Pelletkessel mit Filter liegen bei Staubwerten von unter 10 Milligramm pro Kubikmeter und damit deutlich unter dem gesetzlichen Grenzwert von 20 Milligramm. Wesentlich hoeher sind die Emissionen bei alten Kaminoefen und bei der Verbrennung von feuchtem Holz.

Welche Holzfeuerungen muessen ausgetauscht werden?

Einzelraumfeuerungsanlagen, die vor 1995 gebaut wurden und die Grenzwerte von 150 Milligramm Staub sowie 4.000 Milligramm Kohlenmonoxid pro Kubikmeter nicht einhalten. In der Praxis betrifft das die meisten Altanlagen - es sei denn, sie sind als historische Kaminoefen eingetragen.

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