Rund die Haelfte aller Wohnungen in Deutschland wird mit Erdgas beheizt. Nach den Preisausschlaegen der Jahre 2022 und 2023 hat sich der Gaspreis 2026 auf einem Niveau stabilisiert, das deutlich ueber dem Vorkrisenniveau liegt, aber wieder planbar ist. Gleichzeitig waechst der politische und technische Druck zum Umstieg. Wir zeigen, was Gas 2026 kostet, wie viel ein Haus nach Flaeche und Gebaeudestandard verbraucht, wie die Abrechnung von Kubikmetern in Kilowattstunden funktioniert und welche Alternativen realistisch sind. Alle Angaben sind circa-Werte.
Was Erdgas 2026 kostet
Wie beim Strom setzt sich der Gaspreis aus einem Arbeitspreis in ct/kWh und einem Grundpreis zusammen. Der Arbeitspreis fuer Haushaltskunden lag 2026 in guenstigen Sondervertraegen meist bei 10,5 bis 12,5 ct/kWh, in der Grundversorgung haeufig bei 13 bis 16 ct/kWh. Der Grundpreis bewegt sich zwischen 12 und 22 Euro pro Monat, abhaengig von Region und Anbieter.
| Bestandteil des Gaspreises | Anteil in ct/kWh (netto) | Erlaeuterung |
|---|---|---|
| Gasbeschaffung und Vertrieb | 7,00 | Einkauf am Grosshandelsmarkt, Marge |
| Netzentgelt | 2,10 | Transport durch das Gasverteilnetz |
| Messstellenbetrieb und Messung | 0,80 | Gaszaehler, Ablesung, Daten |
| Konzessionsabgabe | 0,30 | Abgabe an die Kommune |
| Energiesteuer auf Erdgas | 0,55 | bundesweit einheitlich |
| CO2-Preis (nationaler Brennstoffemissionshandel) | 1,20 | bei circa 60 Euro je Tonne CO2 |
| Bilanzierungsumlage und Sonstiges | 0,40 | Netzstabilitaet, Regelenergie |
| Summe netto | 12,35 | zzgl. 19 % Umsatzsteuer |
| Endpreis Arbeitspreis (brutto) | 14,70 | typischer Grundversorgungstarif 2026 |
Fuer ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 13.000 kWh Jahresverbrauch bedeutet das in der Grundversorgung rund 2.200 Euro im Jahr, im guenstigen Sondervertrag etwa 1.670 Euro. Der Abstand zwischen den beiden Tarifwelten ist damit so gross wie nie zuvor - ein Wechsel rechnet sich fast immer.
Verbrauch nach Wohnflaeche und Gebaeudestandard
Der Gasverbrauch eines Hauses ergibt sich aus der Wohnflaeche und dem spezifischen Heizwaermebedarf in kWh pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m2a). Ein unsanierter Altbau aus den 1960er Jahren benoetigt leicht das Dreifache eines Neubaus. Fuer die Kostenschaetzung im folgenden Beispiel werden 12,5 ct/kWh Arbeitspreis und 180 Euro Grundpreis pro Jahr angesetzt - ein marktueblicher Sondervertrag.
| Wohnflaeche und Zustand | kWh/m2a ca. | Verbrauch kWh/Jahr | Verbrauch m3/Jahr ca. | Kosten/Jahr ca. |
|---|---|---|---|---|
| 80 m2 Neubau / KfW-Effizienzhaus | 60 | 4.800 | 444 | 780 Euro |
| 100 m2 sanierter Altbau | 80 | 8.000 | 741 | 1.180 Euro |
| 120 m2 teilsanierter Altbau | 110 | 13.200 | 1.222 | 1.830 Euro |
| 150 m2 unsanierter Altbau | 150 | 22.500 | 2.083 | 2.993 Euro |
| 160 m2 unsaniert mit Warmwasser | 160 | 25.600 | 2.370 | 3.380 Euro |
Die Spanne von rund 780 Euro bis knapp 3.400 Euro zeigt, wie stark die Gebaeudequalitaet die Heizkosten bestimmt. Vor einem Anbieterwechsel lohnt deshalb fast immer der Blick auf Verbrauchsminderung: Ein hydraulischer Abgleich kostet im Einfamilienhaus einige hundert Euro und senkt den Verbrauch erfahrungsgemaess um 5 bis 15 Prozent.
Von Kubikmetern zu Kilowattstunden
Ihr Gaszaehler misst Volumen in Kubikmetern, abgerechnet wird aber Energie in Kilowattstunden. Der Umrechnungsfaktor ergibt sich aus zwei Groessen: der Zustandszahl, die das Gasvolumen auf Normbedingungen (Temperatur, Druck) normiert, und dem Brennwert, der den Energiegehalt je Normkubikmeter angibt. Beide Werte stehen auf Ihrer Gasrechnung.
- Formel: Verbrauch in kWh = Differenz der Zaehlerstaende in m3 × Zustandszahl × Brennwert
- Typische Umrechnungsfaktoren liegen zwischen 10,2 und 11,4 - im Mittel etwa 10,8 kWh je m3
- H-Gas (High calorific, Nordsee-Gas) hat einen hoeheren Brennwert als L-Gas (Low calorific) - daher sind Gasgeraete auf eine Gasfamilie ausgelegt
- Nach einem Gasgeraetewechsel kann der Netzbetreiber die Gasfamilie umstellen; dann ist eine Anpassung der Duesen am Geraet erforderlich
- Moderne digitale Gaszaehler fuehren die Umrechnung teilweise intern durch und zeigen direkt kWh an
Der CO2-Preis und seine Wirkung auf die Heizkosten
Seit 2021 wird Erdgas im nationalen Brennstoffemissionshandel bepreist. Der Preis pro Tonne CO2 ist gesetzlich festgelegt beziehungsweise in einem Korridor begrenzt und steigt im Zeitverlauf. Erdgas verursacht ungefaehr 0,202 Kilogramm CO2 je Kilowattstunde, Heizoel etwa 0,317 kg/kWh. Der CO2-Preis trifft damit Heizoel deutlich staerker als Gas.
| Jahr | CO2-Preis Euro/Tonne | Aufschlag Erdgas ct/kWh | Aufschlag Heizoel ct/kWh |
|---|---|---|---|
| 2023 | 30 | 0,61 | 0,95 |
| 2024 | 45 | 0,91 | 1,43 |
| 2025 | 55 | 1,11 | 1,74 |
| 2026 | 55 bis 65 (Korridor) | 1,11 bis 1,31 | 1,74 bis 2,06 |
| 2027 (freie Preisbildung) | geschaezt 70 bis 100 | 1,41 bis 2,02 | 2,22 bis 3,17 |
Bei einem Jahresverbrauch von 13.200 kWh entspricht der CO2-Aufschlag 2026 etwa 150 bis 175 Euro. Ab 2027 wird der Preis nicht mehr per Gesetz vorgegeben, sondern bildet sich im Markt - mit offenem Ausgang. Planen Sie diesen Posten als steigend ein.
Woher das Gas kommt: Beschaffung und LNG
Deutschland importiert den ueberwiegenden Teil seines Erdgases. Seit dem Ausstieg aus russischen Pipeline-Lieferungen hat sich die Beschaffung neu aufgestellt: Leitungen aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien, ergaenzt durch Fluessigerdgas (LNG), das per Schiff angeliefert wird. Ende 2022 gingen die ersten deutschen LNG-Terminals in Wilhelmshaven und Brunsbuettel in Betrieb, weitere Anlandungspunkte folgten.
- Pipeline-Gas bleibt meist die guenstigste Bezugsquelle, weil keine Verfluessigung noetig ist
- LNG muss auf minus 162 Grad Celsius heruntergekuehlt, verschifft und wieder regasifiziert werden - das kostet zusaetzlich
- Die Grosshandelspreise orientieren sich am europaeischen Handelspunkt TTF (Title Transfer Facility) in den Niederlanden
- Die Speicherstaende zum Ende des Winters und die Fuellstaende im Herbst sind ein guter Fruehindikator fuer die Preisentwicklung
- Ein Teil der LNG-Infrastruktur ist auf spaetere Nutzung mit Wasserstoff oder Ammoniak vorbereitet
Fuer Haushalte heisst das: Der Gaspreis bleibt an den Weltmarkt gekoppelt und damit volatiler als vor 2021. Vertraege mit Preisgarantie von mindestens zwolf Monaten sind deshalb zu empfehlen.
Anbieterwechsel: Ersparnis und Ablauf
Der Wechsel des Gasanbieters funktioniert technisch wie beim Strom: Netz und Zaehler bleiben beim oertlichen Netzbetreiber, nur die Belieferung wechselt. Rechtlich ist der neue Versorger zustaendig, die Kuendigung des alten Vertrags erfolgt in der Regel durch ihn. Eine Versorgungsunterbrechung besteht nicht.
| Jahresverbrauch | Grundversorgung (14,8 ct + 240 Euro/Jahr) | Sondervertrag (11,4 ct + 168 Euro/Jahr) | Ersparnis ca. Euro/Jahr |
|---|---|---|---|
| 4.800 kWh (kleine Wohnung) | 950,40 Euro | 715,20 Euro | 235,20 Euro |
| 8.000 kWh (saniertes EFH) | 1.424,00 Euro | 1.080,00 Euro | 344,00 Euro |
| 13.200 kWh (teilsaniertes EFH) | 2.193,60 Euro | 1.672,80 Euro | 520,80 Euro |
| 22.500 kWh (unsanierter Altbau) | 3.570,00 Euro | 2.733,00 Euro | 837,00 Euro |
Fuer den Wechsel benoetigen Sie Ihre Zaehlernummer beziehungsweise die Marktlokations-ID und den geschaetzten Jahresverbrauch. Fachbetriebe und Vergleichsportale errechnen die Ersparnis anhand dieser beiden Werte. Achten Sie auf Preisgarantie, Laufzeit und darauf, ob ein Neukundenbonus an eine Mindestlaufzeit gekoppelt ist.
Zukunft des Gasnetzes: Rueckbau, Wasserstoff und Waermeplanung
Parallel zur Preisentwicklung stellt sich die Frage, wie lange Gasnetze flaechendeckend betrieben werden. Sinkende Anschlusszahlen verteilen die Fixkosten eines Netzes auf immer weniger Kunden - das treibt die Netzentgelte zusaetzlich. Gleichzeitig muessen Kommunen eine Waermeplanung aufstellen, in der festgelegt wird, welche Gebiete kuenftig mit Fernwaerme, Waermepumpen oder Wasserstoff versorgt werden sollen.
- Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern mussten ihre kommunale Waermeplanung fruehzeitig vorlegen, kleinere Kommunen haben etwas laenger Zeit
- Die Plaene weisen Gebiete aus: Fernwaerme-Vorranggebiete, Wasserstoff-Netzeignungsgebiete und Gebiete fuer dezentrale Loesungen wie Waermepumpen
- Fuer Neubauten in Neubaugebieten ist ein Gasanschluss vielerorts nicht mehr selbstverstaendlich
- Die Gasnetzbetreiber muessen ihre Netzentwicklungsplaene an die kommunale Waermeplanung anpassen
- Wasserstofffaehige Netze werden diskutiert, ein flaechendeckender Umstieg im Waermemarkt gilt aber als langfristig und unsicher
Fuer wen sich Erdgas noch lohnt - und fuer wen nicht
Erdgas ist weiterhin eine funktionierende, vergleichsweise preiswerte Heizform, besonders dort, wo der Anschluss vorhanden ist und keine grosse Investition ansteht. Sie verliert dort an Attraktivitaet, wo eine ohnehin faellige Sanierung, ein Heizungstausch oder ein Neubau ansteht.
- Geeignet: Bestandsgebaeude mit intakter, noch nicht Austauschpflicht unterliegender Gasheizung und moderatem Verbrauch
- Geeignet als Uebergang: Haeuser, in denen in den naechsten Jahren eine Sanierung oder ein Heizungstausch ansteht und die Investition niedrig gehalten werden soll
- Geeignet als Hybrid: Kombination mit einer Waermepumpe oder Solarthermie, um den Gasverbrauch zu senken
- Weniger geeignet: Neubauten, stark unsanierte Gebaeude mit sehr hohem Verbrauch, Gebiete mit ausgewiesenem Fernwaermevorrang
- Weniger geeignet: Haeuser ohne Gasanschluss - ein Neuanschluss kostet meist mehrere tausend Euro
Haeufige Fragen
Wie viel kostet Erdgas 2026 pro kWh?
Guenstige Sondervertraege lagen 2026 meist bei 10,5 bis 12,5 ct/kWh, die Grundversorgung haeufig bei 13 bis 16 ct/kWh. Hinzu kommt ein Grundpreis von etwa 12 bis 22 Euro pro Monat. Der CO2-Preis ist im Arbeitspreis bereits enthalten.
Wie rechne ich m3 Gas in kWh um?
Multiplizieren Sie die Differenz der Zaehlerstaende in Kubikmetern mit der Zustandszahl und dem Brennwert. Beide Werte stehen auf Ihrer Rechnung. Der resultierende Faktor liegt meist zwischen 10,2 und 11,4, im Mittel bei etwa 10,8 kWh je m3.
Lohnt sich ein Gasanbieterwechsel 2026?
In der Regel ja. Bei einem Jahresverbrauch von 13.200 kWh lag die Ersparnis zwischen Grundversorgung und guenstigem Sondervertrag 2026 bei circa 520 Euro, bei 22.500 kWh bei rund 835 Euro. Der Wechsel selbst ist kostenlos und dauert wenige Wochen.
Wird Erdgas zum Heizen durch die CO2-Bepreisung unrentabel?
Kurzfristig nicht. Der CO2-Aufschlag lag 2026 bei circa 1,1 bis 1,3 ct/kWh und damit bei etwa 10 Prozent des Gesamtpreises. Ab 2027 entfaellt der gesetzliche Preiskorridor, sodass mit steigenden und schwankenderen Aufschlaegen zu rechnen ist.
