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Geothermie und Erdwaerme: Waerme aus dem Untergrund

Aktualisiert: Januar 2026 • Lesezeit: ca. 8 Minuten
Erdwaermesondenbohrung und Waermepumpe im Haus

Der Boden unter Deutschland ist ganzjaehrig warm: Ab etwa zehn Metern Tiefe herrschen konstant acht bis zwoelf Grad Celsius, ganz gleich ob Sommer oder Winter. Genau diese Temperatur nutzen Erdwaermepumpen, um Haeuser zu heizen - und sie holen damit aus einer Kilowattstunde Strom vier bis fuenf Kilowattstunden Waerme. Wir erklaeren, welche Verfahren es gibt, wie eine Anlage ausgelegt wird, was sie kostet und wo Genehmigungen und Bohrrisiken zur Grenze werden.

Welche Arten von Erdwaerme es gibt

Geothermie wird nach der Tiefe unterschieden. Die oberflaechennahe Geothermie reicht bis etwa 400 Meter und nutzt die nahezu konstante Temperatur des Untergrunds als Waermequelle fuer eine Waermepumpe. Die tiefe Geothermie beginnt bei ungefaehr 400 Metern und reicht bis in mehrere tausend Meter Tiefe; dort ist das Gestein so heiss, dass sich damit direkt heizen oder sogar Strom erzeugen laesst.

Die Temperatur nimmt im Mittel um etwa drei Grad Celsius pro 100 Meter Tiefe zu - man spricht von der geothermischen Tiefenstufe. In Regionen mit vulkanischer Vorgeschichte oder besonderen geologischen Strukturen ist der Anstieg deutlich steiler, teilweise bis zu zehn Grad pro 100 Meter.

Oberflaechennahe Geothermie: Kollektor, Sonde und Grundwasser

Es gibt drei Wege, dem Boden Waerme zu entziehen. Der Flaechenkollektor liegt als Kunststoffrohrregister waagerecht in 1,2 bis 1,5 Metern Tiefe und benoetigt viel Flaeche. Die Erdwaermesonde wird senkrecht 40 bis 400 Meter tief gebohrt und braucht fast keine Grundstuecksflaeche. Der Grundwasserbrunnen entnimmt warmes Grundwasser ueber einen Foerderbrunnen und fuehrt es ueber einen Schluckbrunnen wieder zurueck.

VerfahrenTiefeFlaechen- oder BohrbedarfEntzugsleistungKosten Waermequelle (ca.)Besonderheit
Flaechenkollektor1,2 bis 1,5 mca. 1,5- bis 2-fache Wohnflaeche20 bis 30 W/m240 bis 70 Euro/m2guenstig, Boden muss feucht sein
Erdwaermesonde40 bis 400 m, meist 80 bis 150 m1 bis 3 Bohrungen40 bis 70 W/m70 bis 120 Euro/mganzjaehrig nutzbar, genehmigungspflichtig
Grundwasserbrunnen10 bis 40 mFoerder- und Schluckbrunnendurchflussabhaengig8.000 bis 16.000 Eurohoechste Effizienz, strenge Auflagen
Tiefe Geothermie (hydrothermal)1.000 bis 4.000 m2 Bohrungen plus Anlage3 bis 20 MW thermisch15 bis 40 Mio. Euronur fuer Fernwaerme und Grossprojekte

Fuer ein durchschnittliches Einfamilienhaus ist heute die Erdwaermesonde der Standard. Sie ist unabhaengig von der Gartengroesse, funktioniert auch unter versiegelten Flaechen und liefert ueber das ganze Jahr hinweg stabile Quelltemperaturen von etwa acht bis zwoelf Grad Celsius.

Bohrlaenge und Auslegung nach Heizlast

Die benoetigte Sondenlaenge ergibt sich aus der Heizlast des Hauses und der Entzugsleistung des Untergrunds. Rechnerisch wird zuerst die Heizlast bestimmt, daraus der Strombedarf der Waermepumpe bei angenommener Jahresarbeitszahl - der Rest der benoetigten Waerme muss aus dem Boden kommen. Bei einer Entzugsleistung von etwa 50 Watt pro Meter ergibt sich daraus die Gesamtlaenge.

HeizlastGebaeudetyp (ca.)Sondenlaenge gesamtAufteilungBohrkosten (ca. 80 Euro/m)
6 kWgut gedaemmt, 110 m2ca. 95 m2 x 48 mca. 7.600 Euro
8 kWNeubau, 140 m2ca. 125 m2 x 63 mca. 10.000 Euro
10 kWteilsanierter Altbau, 160 m2ca. 155 m2 x 78 mca. 12.400 Euro
12 kWgrosses EFH, 200 m2ca. 185 m2 x 93 mca. 14.800 Euro
15 kWMehrfamilienhaus, 260 m2ca. 235 m2 x 118 mca. 18.800 Euro

In der Praxis werden meist zwei oder mehr kuerzere Bohrungen statt einer sehr tiefen ausgefuehrt. Das reduziert das Risiko, verbessert die Waermeverteilung im Untergrund und passt besser auf normal grosse Grundstuecke. Zwischen den Bohrungen sollte ein Abstand von mindestens fuenf bis sechs Metern eingehalten werden, damit sie sich nicht gegenseitig auskuehlen.

Die Auslegung sollte immer auf Basis einer Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 erfolgen, nicht nach Faustformeln. Wird die Sonde zu kurz dimensioniert, kuehlt der Boden ueber die Jahre aus, die Jahresarbeitszahl sinkt und der Stromverbrauch steigt - ein Fehler, der sich nachtraeglich kaum beheben laesst.

Investitionskosten im Vergleich

Zu den Bohrkosten kommen die Waermepumpe selbst, der Warmwasserspeicher, die Verrohrung, die hydraulische Einbindung und die Elektroinstallation. Fuer ein typisches Einfamilienhaus liegen die Gesamtkosten einer Erdsondenanlage 2026 zwischen ungefaehr 30.000 und 45.000 Euro. Umgerechnet auf die Heizleistung sind das etwa 1.200 bis 1.800 Euro pro Kilowatt.

SystemInvestition (ca.)Euro pro kW HeizleistungJAZ bzw. NutzungsgradWaermekosten ct/kWh
Sole-Waermepumpe mit Erdsonde30.000 bis 45.000 Euro1.200 bis 1.800 EuroJAZ 4,3 bis 5,0ca. 7,0 bis 8,0 ct
Sole-Waermepumpe mit Kollektor25.000 bis 35.000 Euro1.000 bis 1.400 EuroJAZ 4,0 bis 4,6ca. 7,5 bis 8,5 ct
Grundwasser-Waermepumpe26.000 bis 38.000 Euro1.100 bis 1.500 EuroJAZ 4,5 bis 5,2ca. 6,5 bis 7,5 ct
Luft-Wasser-Waermepumpe18.000 bis 30.000 Euro800 bis 1.300 EuroJAZ 3,0 bis 3,8ca. 8,5 bis 11,0 ct
Pelletkessel22.000 bis 32.000 Euro700 bis 1.100 Euro88 bis 94 %ca. 9,0 bis 11,0 ct
Gas-Brennwert9.000 bis 15.000 Euro150 bis 250 Euro96 bis 98 %ca. 13,0 bis 15,0 ct

Die Tabelle zeigt das Grundmuster: Erdwaermepumpen sind in der Anschaffung teuer, im Betrieb aber die guenstigste Loesung. Gegenueber einer Luft-Waermepumpe kostet die Erdsondenanlage rund 10.000 bis 15.000 Euro mehr, spart dafuer aber jedes Jahr ungefaehr 150 bis 300 Euro an Strom. Die Mehrkosten amortisieren sich damit je nach Randbedingungen nach etwa 12 bis 20 Jahren.

Jahresarbeitszahl und Betriebskosten

Die Jahresarbeitszahl (JAZ) ist die wichtigste Kennzahl einer Waermepumpe: Sie gibt an, wie viel Kilowattstunden Waerme pro Kilowattstunde Strom erzeugt werden. Eine JAZ von 4,5 bedeutet also, dass aus einer Kilowattstunde Strom 4,5 Kilowattstunden Waerme entstehen - der Rest kommt kostenlos aus dem Untergrund.

Entscheidend fuer die JAZ sind die Temperaturdifferenz zwischen Waermequelle und Heizsystem. Erdwaermesonden liefern ganzjaehrig acht bis zwoelf Grad, waehrend eine Luft-Waermepumpe an kalten Wintertagen bei -10 Grad Aussenluft arbeiten muss. Deshalb erreichen Erdsondenanlagen JAZ-Werte von 4,3 bis 5,0, Luft-Waermepumpen in der Praxis meist nur 3,0 bis 3,8.

Genehmigung, Wasserschutzgebiete und Bohrrisiko

Erdwaermesonden greifen in den Untergrund ein und sind deshalb genehmigungsbeduerftig. Zustaendig sind in der Regel die unteren Wasserbehoerden, bei Bohrungen ueber 100 Metern zusaetzlich die Bergbehoerden. Vor der Bohrgenehmigung wird geprueft, ob Grundwasserleiter betroffen sind, ob Altlasten vorliegen und ob konkurrierende Nutzungen wie Trinkwasserbrunnen oder Geothermievorhaben Dritter entgegenstehen.

  1. Pruefung der geologischen Situation und des Grundwasserstands, bei Bedarf ein geologisches Gutachten
  2. Klaerung, ob das Grundstueck in einem Wasser- oder Heilquellenschutzgebiet liegt
  3. Antrag auf wasserrechtliche Erlaubnis bei der unteren Wasserbehoerde
  4. Anzeige bei der Bergbehoerde bei Bohrungen tiefer als 100 Meter
  5. Ausfuehrung durch eine zertifizierte Bohrfirma mit Dokumentation der Schichten

In Wasserschutzgebieten der Zonen I und II sind Bohrungen in der Regel ausgeschlossen, in Zone III ist eine Einzelfallpruefung erforderlich. Auch in Karstgebieten, in Heilquellenschutzgebieten und im Umfeld von Altlasten werden Erdsonden haeufig nicht genehmigt. Hier bleibt als Alternative die Luft-Waermepumpe - oder eine Erkundungsbohrung zur Klaerung.

Das Bohrrisiko ist real: Es gibt keine Garantie, dass die geplante Tiefe erreicht wird oder die erwartete Entzugsleistung erzielt wird. Serioese Anbieter raten deshalb zu einer Bohrversicherung, die auch abgeteufte Meter bei einem Fehlschlag ersetzt. Die Kosten liegen bei ungefaehr 5 bis 10 Prozent der Bohrkosten.

Besteht Unsicherheit, kann eine Erkundungsbohrung Klarheit schaffen. Sie kostet mehrere tausend Euro, liefert aber verlaessliche Daten zu Schichtfolge, Grundwasser und Entzugsleistung - und verhindert damit eine Fehlplanung im fuenfstelligen Euro-Bereich.

Tiefe Geothermie: hydrothermal und petrothermal

Ab ungefaehr 400 Metern Tiefe spricht man von tiefer Geothermie. Bei der hydrothermalen Variante wird heisses Wasser aus wasserfuehrenden Gesteinsschichten gefoerdert, nach der Waermenutzung abgekuehlt und ueber eine zweite Bohrung wieder in den Untergrund eingeleitet. Voraussetzung sind Temperaturen von mindestens etwa 80 bis 100 Grad Celsius und ausreichende Durchlaessigkeit des Gesteins.

Die petrothermale Geothermie - auch Hot-Dry-Rock oder EGS genannt - funktioniert auch dort, wo kein heisses Wasser vorhanden ist. Hier wird das Gestein durch Einpressen von Wasser unter hohem Druck kuenstlich rissig gemacht, sodass ein unterirdischer Waermetauscher entsteht. Das Verfahren ist technisch anspruchsvoll und mit einem Risiko induzierter, meist sehr schwacher Erdbeben verbunden.

RegionTiefe (ca.)TemperaturNutzungStand
Oberrheingraben1.500 bis 3.500 m120 bis 180 GradStrom und Fernwaermemehrere Anlagen in Betrieb
Sueddeutsches Molassebecken2.000 bis 4.500 m80 bis 140 GradFernwaerme, Gewaechshaeuserzahlreiche Projekte, teils im Netz
Norddeutsches Becken1.200 bis 2.500 m60 bis 100 GradFernwaermevereinzelte Anlagen
Rheinisches Schiefergebirge2.000 bis 3.000 m80 bis 130 GradFernwaerme in PlanungProjektphase

Fuer einzelne Hausbesitzer ist die tiefe Geothermie keine Option: Die Kosten einer Bohrung liegen im einstelligen Millionen-Euro-Bereich, dazu kommen Genehmigungsverfahren von mehreren Jahren und hohe Fuendigkeitsrisiken. Relevant ist sie vor allem fuer Stadtwerke und Fernwaermenetze.

Fuer wen sich Erdwaerme eignet

Eine Erdwaermesondenanlage ist dann eine gute Wahl, wenn das Grundstueck eine Bohrung zulaesst, das Haus eine niedrige Vorlauftemperatur hat und die Investition langfristig gedacht ist. Sie spielt ihre Staerken bei Neubauten und gut sanierten Bestandsgebaeuden mit Fussbodenheizung aus.

Wer die Voraussetzungen erfuellt, bekommt eine Heizung mit sehr niedrigen Betriebskosten, geringem Wartungsaufwand und einer Lebensdauer der Erdsonden von mehreren Jahrzehnten. Die Waermepumpe selbst sollte nach etwa 15 bis 20 Jahren eingeplant werden - die Bohrung bleibt.

Lassen Sie vor der Auftragsvergabe immer die Genehmigungsfaehigkeit des Grundstuecks schriftlich klaeren. Ein abgelehnter Bohrtermin nach bereits erfolgtem Heizungstausch ist der teuerste Fehler bei diesem Thema - und kommt in Wasserschutzgebieten regelmaessig vor.

Haeufige Fragen

Wie tief muss eine Erdwaermesonde gebohrt werden?

Fuer ein Einfamilienhaus mit 8 Kilowatt Heizlast ungefaehr 125 Meter Gesamtlaenge, meist aufgeteilt auf zwei Bohrungen von je etwa 63 Metern. Je nach Heizlast und Untergrund sind es zwischen 90 und 250 Metern.

Was kostet eine Erdwaermepumpe komplett?

Ungefaehr 30.000 bis 45.000 Euro inklusive Bohrung, Waermepumpe, Speicher und Installation. Das entspricht etwa 1.200 bis 1.800 Euro pro Kilowatt Heizleistung und damit rund 10.000 bis 15.000 Euro mehr als eine Luft-Waermepumpe.

Darf ich ueberall eine Erdsonde bohren lassen?

Nein. In Wasserschutzgebieten der Zonen I und II sind Bohrungen meist ausgeschlossen, in Zone III und in Karst- oder Altlastengebieten ist eine Einzelfallpruefung noetig. Die Entscheidung trifft die untere Wasserbehoerde, bei Bohrungen ueber 100 Meter auch die Bergbehoerde.

Welchen Vorteil hat Erdwaerme gegenueber Aussenluft?

Die Quelltemperatur ist mit acht bis zwoelf Grad ganzjaehrig stabil, wodurch die Waermepumpe einen geringeren Temperaturhub leisten muss. Die Jahresarbeitszahl liegt bei 4,3 bis 5,0 statt 3,0 bis 3,8 bei Luft-Waermepumpen - das spart pro Jahr ungefaehr 150 bis 300 Euro Stromkosten.

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