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Photovoltaik 2026: Wann sich eine Solaranlage lohnt

Aktualisiert: April 2025 • Lesezeit: ca. 10 Minuten
Photovoltaikanlage auf einem Wohnhausdach

Eine Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach gehoert zu den bekanntesten Massnahmen der Energiewende - und zu den wenigen, die sich fuer Hausbesitzer auch rechnen koennen. Entscheidend sind dabei weniger die Module als vielmehr Dachausrichtung, Eigenverbrauch und Anschaffungskosten. Wir erklaeren, wie Photovoltaik funktioniert, welche Ertraege in Deutschland realistisch sind, was eine Anlage 2026 kostet und nach welcher Zeit sie sich amortisiert.

Wie eine Photovoltaikanlage Strom erzeugt

Solarmodule bestehen aus Siliziumzellen, die einfallendes Licht direkt in elektrischen Gleichstrom umwandeln - ohne bewegliche Teile und ohne Laerm. Der dabei entstehende Gleichstrom wird von einem Wechselrichter in haushaltsueblichen Wechselstrom mit 230 Volt umgewandelt und steht dann im Hausnetz zur Verfuegung. Reicht der Solarstrom nicht aus, ergaenzt das oeffentliche Netz automatisch den Rest.

Der erzeugte Solarstrom wird zuerst im Haus verbraucht. Was im Haus nicht verbraucht wird, fliesst ueber den Netzanschluss ins oeffentliche Netz und wird nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verguetet. Ein zweiter Zaehler, der Einspeisezaehler, erfasst diese Menge getrennt.

Moderne Module erreichen Wirkungsgrade von etwa 20 bis 23 Prozent. Vom theoretischen Ertrag bleiben netto rund 10 bis 15 Prozent auf der Strecke: durch Kabelverluste, den Wechselrichter, Verschmutzung und den Wirkungsgradverlust der Zellen bei hohen Temperaturen. Diese Systemverluste sind in den Ertragswerten der folgenden Abschnitte bereits beruecksichtigt.

Der Wechselrichter ist in der Regel das erste Bauteil, das erneuert werden muss. Seine Lebensdauer liegt bei etwa 10 bis 15 Jahren, die der Module bei 25 bis 30 Jahren. Fuer den Austausch sollte man in der Wirtschaftlichkeitsrechnung eine Ruecklage von rund 15 bis 20 Euro pro kWp und Jahr einplanen.

Anlagenleistung in kWp und benoetigte Dachflaeche

Die Leistung einer Anlage wird in Kilowatt peak (kWp) angegeben. Das ist die Nennleistung unter genormten Laborbedingungen: 1.000 Watt Einstrahlung pro Quadratmeter bei 25 Grad Zelltemperatur. In der Praxis liegt die tatsaechliche Leistung an einem sonnigen Mittag meist bei 80 bis 90 Prozent dieses Wertes.

Als Faustformel gilt: Fuer ein Kilowatt peak werden ungefaehr 4,5 bis 5,5 Quadratmeter Dachflaeche benoetigt. Ein Einfamilienhaus mit 40 Quadratmetern geeigneter Sueddachflaeche kommt damit auf eine Anlage von rund 8 kWp - genug, um den Jahresstrombedarf einer Familie mit Waermepumpe oder E-Auto zu einem grossen Teil zu decken.

Dachflaeche (verfuegbar)AnlagenleistungJahresertrag (Sueddach, ca.)typisch fuer
15 m23 kWpca. 3.000 kWhkleiner Haushalt, Reihenhaus
25 m25 kWpca. 5.000 kWh2-Personen-Haushalt
40 m28 kWpca. 8.000 kWhFamilienhaus mit Waermepumpe
60 m212 kWpca. 12.000 kWhgrosses Haus, Gewerbe
100 m220 kWpca. 20.000 kWhMehrfamilienhaus, Landwirtschaft

Neben der Flaeche zaehlen Neigung und Verschattung. Optimal sind in Deutschland etwa 30 bis 35 Grad Neigung bei Ausrichtung nach Sueden. Ein Ost-West-Dach liefert rund 10 bis 15 Prozent weniger Jahresertrag, verteilt die Erzeugung aber besser ueber den Tag. Schon ein einzelner Schornstein oder ein Baum am Nachmittag kann den Ertrag einzelner Module deutlich druecken; hier helfen Leistungsoptimierer oder eine angepasste Modulaufteilung.

Ertrag: kWh pro kWp nach Region und Ausrichtung

Der spezifische Ertrag wird in Kilowattstunden pro Kilowatt peak und Jahr angegeben. In Deutschland liegt er zwischen ungefaehr 850 kWh/kWp in trueben Nordsee-Regionen und rund 1.150 kWh/kWp im sueddeutschen Alpenvorland. Wer seine Anlage groesser dimensioniert als den eigenen Bedarf, sollte den Ertrag eher konservativ ansetzen.

Ausrichtung und NeigungSueddeutschlandMitteldeutschlandNorddeutschland
Sued, 30 Gradca. 1.060 kWhca. 1.000 kWhca. 930 kWh
Sued, 45 Gradca. 1.040 kWhca. 980 kWhca. 910 kWh
Suedost / Suedwest, 30 Gradca. 1.000 kWhca. 950 kWhca. 880 kWh
Ost-West (Split), 25 Gradca. 890 kWhca. 840 kWhca. 780 kWh
Suedfassade, 90 Gradca. 710 kWhca. 670 kWhca. 620 kWh
Norddach, 30 Gradca. 630 kWhca. 600 kWhca. 560 kWh

Die Unterschiede erklaeren sich aus der Globalstrahlung: Im Sueden treffen rund 1.150 bis 1.200 Kilowattstunden Sonnenenergie pro Quadratmeter und Jahr auf die Flaeche, im Norden sind es etwa 950 bis 1.000. Hinzu kommen regionale Unterschiede bei Bewoelkung und Temperatur - kalte, klare Tage sind fuer Solarmodule ergiebiger als heisse, weil die Zellen bei Hitze an Spannung verlieren.

Ein Ost-West-Dach erzeugt morgens und abends mehr Strom als ein reines Sueddach. Das passt besser zum Verbrauchsprofil berufstaetiger Haushalte und erhoeht die Eigenverbrauchsquote - bei nur leicht niedrigerem Jahresertrag. Wer die Wahl hat, sollte Ost-West nicht pauschal ausschliessen.

Eigenverbrauch, Speicher und Einspeiseverguetung

Wirtschaftlich entscheidend ist nicht die erzeugte, sondern die selbst verbrauchte Menge. Jede selbst genutzte Kilowattstunde ersetzt Netzstrom, der 2026 im Schnitt bei ungefaehr 32 bis 38 Cent pro kWh liegt. Jede eingespeiste Kilowattstunde bringt dagegen nur die EEG-Verguetung.

HaushaltstypEigenverbrauch ohne Speichermit 8-10 kWh Speichermit Speicher, Waermepumpe oder Wallbox
Berufstaetige, tagsueber leerca. 20 bis 25 %ca. 45 bis 55 %ca. 55 bis 65 %
Familie, tagsueber bewohntca. 35 bis 45 %ca. 60 bis 70 %ca. 70 bis 80 %
Homeoffice oder Gewerbeca. 45 bis 60 %ca. 65 bis 75 %ca. 75 bis 85 %

Die Einspeiseverguetung nach EEG wird fuer 20 Jahre gezahlt und richtet sich nach Anlagengroesse und Einspeiseart. Fuer Teileinspeisung lagen die Saetze zuletzt bei ungefaehr 7,9 Cent pro kWh bis 10 kWp und etwa 6,3 Cent pro kWh im Leistungsanteil darueber. Bei Volleinspeisung - wenn also der gesamte Strom ins Netz geht - sind es rund 12,4 Cent pro kWh. Die Saetze werden regelmaessig angepasst, eine verbindliche Auskunft gibt der Netzbetreiber vor Inbetriebnahme.

Die Stromgestehungskosten einer Dachanlage liegen 2026 bei ungefaehr 5 bis 10 Cent pro kWh, abhaengig von Anschaffungspreis, Ertrag und Laufzeit. Damit ist selbst erzeugter Solarstrom in fast allen Faellen guenstiger als Netzstrom aus der Grundversorgung.

Investitionskosten: Anlage, Speicher und Wallbox

Die Preise fuer Solarmodule sind in den vergangenen Jahren deutlich gefallen, die Kosten fuer Handwerk, Geruest und Planung dagegen eher gestiegen. Realistisch sind 2026 etwa 1.300 bis 1.800 Euro pro kWp installierter Leistung, bei kleineren Anlagen etwas mehr pro kWp als bei grossen.

KomponentePreisspanne 2026Beispiel: 8 kWp Anlage
Solarmodule (450 W)200 bis 350 Euro/Stueck18 Module: ca. 5.400 Euro
Wechselrichter150 bis 250 Euro/kWpca. 1.500 Euro
Montage, Geruest, Verkabelung300 bis 500 Euro/kWpca. 3.600 Euro
Planung, Anmeldung, Zaehler800 bis 1.800 Euro pauschalca. 1.500 Euro
Summe ohne Speicherca. 12.000 Euro (1.500 Euro/kWp)
Batteriespeicher700 bis 1.000 Euro/kWh nutzbar10 kWh: ca. 8.500 Euro
Wallbox (11 kW)800 bis 2.000 Euroca. 1.400 Euro
Summe mit Speicherca. 20.500 Euro

Zu beachten sind zwei steuerliche Punkte: Fuer Anlagen bis 30 kWp gilt beim Kauf der Nullsteuersatz, die Umsatzsteuer entfaellt also. Und der selbst verbrauchte Strom aus kleinen Anlagen auf selbst genutzten Wohngebaeuden ist in der Regel einkommensteuerfrei. Wer die Anlage gewerblich betreibt, sollte die Regelungen vorher mit der Steuerberatung klaeren.

Vergleichen Sie immer mindestens drei Angebote mit identischer Anlagengroesse. Achten Sie darauf, ob Geruest, Dachdurchfuehrung, Zaehlerschrankumbau und die Anmeldung beim Netzbetreiber im Preis enthalten sind - genau hier verstecken sich die Unterschiede zwischen scheinbar guenstigen und serioesen Kalkulationen.

Amortisationsrechnung: Wann sich die Anlage bezahlt macht

Fuer die folgende Rechnung nehmen wir eine 8-kWp-Anlage mit 1.000 kWh Ertrag pro kWp und Jahr an, also 8.000 kWh Jahresertrag. Unterstellt werden ein Strompreis von 34 Cent pro kWh und eine Einspeiseverguetung von 7,9 Cent pro kWh. Von den jaehrlichen Erloesen werden Versicherung, Wartung und eine Ruecklage fuer den Wechselrichtertausch abgezogen.

VarianteInvestitionEigenverbrauchsanteilNutzen pro Jahr (netto)Amortisation circa
4 kWp ohne Speicherca. 6.400 Euroca. 35 %ca. 580 Euroca. 11 Jahre
8 kWp ohne Speicherca. 12.000 Euroca. 30 %ca. 1.080 Euroca. 12 Jahre
8 kWp mit 10 kWh Speicherca. 20.500 Euroca. 60 %ca. 1.620 Euroca. 13 Jahre
8 kWp mit Speicher und Wallboxca. 21.900 Euroca. 65 %ca. 1.780 Euroca. 13 Jahre
12 kWp mit 15 kWh Speicherca. 30.000 Euroca. 60 %ca. 2.470 Euroca. 12 Jahre

Die Zahlen zeigen zwei Dinge. Erstens: Eine Anlage ohne Speicher amortisiert sich heute kaum langsamer als eine mit Speicher, weil die zusaetzlichen Speicherkosten den hoeheren Eigenverbrauch teilweise wieder auffressen. Zweitens: Der Speicher lohnt sich vor allem dann, wenn er ohnehin gebraucht wird - etwa fuer ein Elektroauto, das abends geladen wird, oder fuer eine Waermepumpe.

Nach der Amortisation erwirtschaftet die Anlage weiterhin Ertrag. Bei einer Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren bleiben also gut 15 Jahre Netto-Ueberschuss. Ueberschlaegig gerechnet liegt der Ueberschuss ueber die Gesamtlaufzeit bei einer 8-kWp-Anlage ohne Speicher im mittleren vierstelligen Euro-Bereich.

Mieterstrom, Balkonkraftwerk und Sonderfaelle

Wer keine eigene Dachflaeche hat, muss nicht auf Solarstrom verzichten. Steckersolargeraete - umgangssprachlich Balkonkraftwerke - bestehen aus ein bis vier Modulen mit einem Wechselrichter, der auf ungefaehr 800 Watt Ausgangsleistung begrenzt ist. Sie kosten zwischen etwa 400 und 900 Euro, liefern je nach Ausrichtung 500 bis 900 kWh im Jahr und amortisieren sich damit oft schon nach drei bis sechs Jahren. Die Anmeldung erfolgt vereinfacht im Marktstammdatenregister und beim Netzbetreiber.

Beim Mieterstrom erzeugt der Vermieter den Strom auf dem Dach und liefert ihn direkt an die Mieter im Haus. Der Mieterstromzuschlag nach EEG liegt je nach Anlagengroesse bei ungefaehr 2,5 bis 3,8 Cent pro kWh zusaetzlich zur eingesparten Netznutzung. Fuer Mieter ist das meist guenstiger als der Grundversorgungstarif, fuer Vermieter ein zusaetzlicher Ertrag - vorausgesetzt, die Abrechnung ist sauber aufgesetzt.

Fuer wen sich Photovoltaik lohnt - und fuer wen nicht

Photovoltaik ist kein Spekulationsobjekt, sondern eine langfristige Investition mit kalkulierbarem Ertrag. Sie lohnt sich vor allem dann, wenn Dach, Verbrauchsprofil und Wohnperspektive zusammenpassen.

Bei unguenstigen Voraussetzungen ist ein Balkonkraftwerk oder eine Beteiligung an einer Buergerenergiegenossenschaft oft die vernuenftigere Alternative. Der Ertrag ist geringer, das Risiko aber auch.

Pruefen Sie vor der Beauftragung, ob das Dach noch rund 20 Jahre haelt und ob der Zaehlerschrank den aktuellen technischen Anschlussregeln entspricht. Ein notwendiger Zaehlerschrankumbau kostet schnell 1.500 bis 3.000 Euro extra und wird nicht immer im Standardangebot mit kalkuliert.

Haeufige Fragen

Wie lange dauert es, bis sich eine Photovoltaikanlage amortisiert?

Ohne Speicher liegt die Amortisation 2026 bei ungefaehr 11 bis 14 Jahren, mit Batteriespeicher bei etwa 13 bis 16 Jahren. Danach erwirtschaftet die Anlage noch fuer 10 bis 15 Jahre einen Ueberschuss.

Lohnt sich ein Stromspeicher 2026?

Wirtschaftlich gesehen meist knapp. Der Speicher erhoeht die Eigenverbrauchsquote von rund 30 auf 60 Prozent, kostet aber 7.000 bis 10.000 Euro. Sinnvoll ist er vor allem bei hohem Abendverbrauch, Elektroauto oder Waermepumpe und wenn ohnehin Notstromfunktion gewuenscht wird.

Was passiert mit ueberschuessigem Solarstrom?

Er fliesst automatisch ins oeffentliche Netz und wird nach dem EEG verguetet - 2026 bei Teileinspeisung ungefaehr 7,9 Cent pro kWh bis 10 kWp, bei Volleinspeisung rund 12,4 Cent pro kWh. Die Verguetung ist fuer 20 Jahre ab Inbetriebnahme garantiert.

Ist Photovoltaik auch fuer Mieter moeglich?

Ja, ueber ein Balkonkraftwerk mit bis zu 800 Watt Wechselrichterleistung oder ueber ein Mieterstromangebot des Vermieters. Beides deckt nur einen Teil des Bedarfs, ist aber mit geringem Aufwand und niedrigem Risiko verbunden.

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