Die Waermepumpe ist 2026 der Heizungstyp, um den in Deutschland am meisten gestritten und am haeufigsten verkauft wird. Sie arbeitet elektrisch, deckt aber zwei Drittel bis drei Viertel ihres Waermebedarfs aus kostenloser Umweltwaerme. Ob sie im konkreten Haus guenstiger heizt als Gas oder Pellets, entscheidet sich nicht am Geraet, sondern an drei Zahlen: der Jahresarbeitszahl, der Vorlauftemperatur und dem Strompreis. Wir erklaeren das Prinzip, vergleichen die drei Waermequellen und rechnen die Kosten fuer ein Einfamilienhaus einmal komplett durch.
Wie eine Waermepumpe funktioniert
Eine Waermepumpe arbeitet wie ein umgekehrter Kuehlschrank: Statt Waerme aus einem Innenraum nach draussen zu schaffen, holt sie Waerme von draussen nach drinnen. Der Kreislauf besteht aus vier Bauteilen - Verdampfer, Verdichter, Verfluessiger und Expansionsventil -, in denen ein Kaeltemittel zirkuliert.
- Verdampfer: Das Kaeltemittel nimmt Umweltwaerme aus Luft, Erdreich oder Wasser auf und verdampft bereits bei Temperaturen unter null Grad.
- Verdichter: Ein elektrisch betriebener Kompressor verdichtet das Gas. Dadurch steigt die Temperatur auf etwa 50 bis 80 Grad. Er ist der einzige nennenswerte Stromverbraucher der Anlage.
- Verfluessiger: Das heisse Gas gibt seine Waerme an den Heizkreislauf ab und wird wieder fluessig.
- Expansionsventil: Der Druck wird gesenkt, das Kaeltemittel kuehlt stark ab, der Kreislauf beginnt von vorn.
Weil nur der Verdichter Strom benoetigt, liefert eine Kilowattstunde Strom je nach Arbeitszahl drei bis fuenf Kilowattstunden Waerme; der Rest stammt aus der Umgebung. Genau dieser Hebel macht die Waermepumpe effizient - und zugleich empfindlich: Je groesser der Temperaturunterschied zwischen Waermequelle und Heizkreis, desto mehr Arbeit muss der Verdichter leisten und desto schlechter wird das Verhaeltnis.
Die drei Waermequellen im Vergleich
Fachleute unterscheiden nach der Quelle, aus der die Anlage ihre Umweltwaerme zieht. Luft ist ueberall verfuegbar und billig zu erschliessen, wird aber im Winter kalt. Erdreich und Grundwasser bleiben ganzjaehrig auf etwa 8 bis 12 Grad, erfordern aber Erdarbeiten oder Brunnen und damit deutlich hoehere Investitionen.
| Waermequelle | typische JAZ | Installationsaufwand | Investition (circa) | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Luft (Luft/Wasser, Aussenaufstellung) | 2,8 bis 3,5 | gering, keine Erdarbeiten | 14.000 € bis 23.000 € | Leistung sinkt bei Kaelte, Schallquelle im Freien |
| Luft (Luft/Wasser, Split innen/aussen) | 2,9 bis 3,6 | gering bis mittel | 16.000 € bis 26.000 € | Verdichter im Haus, leiser aber mehr Platzbedarf |
| Erdreich (Sole/Wasser, Flachkollektor) | 3,8 bis 4,5 | hoch, Flaeche ca. 1,5-fache Wohnflaeche | 24.000 € bis 36.000 € | anmeldepflichtig, gleichbleibende Quelltemperatur |
| Erdreich (Sole/Wasser, Erdsonden) | 4,0 bis 4,6 | Bohrung ca. 60 bis 100 m | 30.000 € bis 45.000 € | teuerste Variante, dafuer hoechste Effizienz |
| Grundwasser (Wasser/Wasser) | 4,2 bis 5,0 | zwei Brunnen, wasserrechtliche Erlaubnis | 27.000 € bis 42.000 € | nicht ueberall genehmigungsfaehig |
| Brauchwasser-Waermepumpe | 2,5 bis 3,2 | sehr gering, Aufstellung im Haus | 3.500 € bis 6.500 € | nur Warmwasser, keine Heizungsfunktion |
- Luft: guenstig, schnell installiert, aber im tiefen Winter am ineffizientesten und hoerbar.
- Erdreich: effizient und leise, aber teuer und an Grundstueck oder Bohrgenehmigung gebunden.
- Grundwasser: effizienteste Quelle, jedoch regional oft nicht erlaubt und abhaengig von der Wasserqualitaet.
- Kombinationen wie Solarthermie oder eine Photovoltaikanlage verbessern die Gesamtbilanz zusaetzlich.
Jahresarbeitszahl: die Zahl, die den Stromverbrauch bestimmt
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) ist das Verhaeltnis aus abgegebener Waermemenge zu eingesetztem Strom ueber ein ganzes Jahr, inklusive Warmwasser und aller Nebenverbraucher. Eine JAZ von 4,0 heisst: Aus einer Kilowattstunde Strom werden vier Kilowattstunden Waerme. Werte unter 3,0 gelten als schlecht, Werte ab 4,0 als gut, ab 4,5 als sehr gut - dann laeuft die Anlage auch im unguenstigen Altbau wirtschaftlich.
Aus der JAZ ergibt sich der Stromverbrauch unmittelbar. Die folgende Tabelle zeigt ihn fuer drei typische Heizlasten eines Einfamilienhauses; der Warmwasseranteil ist eingerechnet.
| Heizlast des Hauses | JAZ 3,0 | JAZ 3,5 | JAZ 4,0 | JAZ 4,5 |
|---|---|---|---|---|
| 12.000 kWh/a (sanierter Bestand, Neubau) | ca. 4.000 kWh | ca. 3.430 kWh | ca. 3.000 kWh | ca. 2.670 kWh |
| 16.000 kWh/a (teilsaniert) | ca. 5.330 kWh | ca. 4.570 kWh | ca. 4.000 kWh | ca. 3.560 kWh |
| 20.000 kWh/a (unsaniert) | ca. 6.670 kWh | ca. 5.710 kWh | ca. 5.000 kWh | ca. 4.440 kWh |
| 8.000 kWh/a (Passivhaus, kleine Wohnung) | ca. 2.670 kWh | ca. 2.290 kWh | ca. 2.000 kWh | ca. 1.780 kWh |
Vorlauftemperatur: Fussbodenheizung gegen Heizkoerper
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur, mit der das Heizwasser durch die Heizflaechen laeuft. Sie ist der groesste Stellhebel nach der Daemmung: Jedes Grad weniger senkt den Stromverbrauch erfahrungsgemaess um rund 1,5 bis 2,5 Prozent. Eine Fussbodenheizung kommt mit 30 bis 35 Grad aus, klassische Heizkoerper brauchen 55 bis 70 Grad.
- Fussboden-, Wand- oder Deckenheizung: grosse Uebertragungsflaeche, Vorlauf 30 bis 38 Grad, JAZ 4,0 und besser erreichbar.
- Niedertemperatur-Heizkoerper oder Geblaesekonvektoren: Vorlauf 40 bis 50 Grad, JAZ 3,3 bis 4,0.
- Alte Rippenheizkoerper, ungedaemmter Altbau: Vorlauf 60 bis 70 Grad, JAZ oft nur 2,5 bis 3,2.
- Massnahme mit dem besten Preis-Leistungs-Verhaeltnis: einzelne Heizkoerper gegen grosse Niedertemperatur-Modelle tauschen oder mehrere Rippenheizkoerper durch einen flachen Plattenheizkoerper ersetzen.
Anschaffungs- und Einbaukosten nach Geraetetyp
Die Spanne ist gross, weil nicht nur das Geraet, sondern auch die Erschliessung der Quelle bezahlt wird. Rechnen Sie zusaetzlich mit 1.500 bis 3.500 Euro fuer Pufferspeicher, Warmwasserspeicher, Hydraulik, Elektroanschluss und Inbetriebnahme. In Bestandsgebaeuden kommen haeufig Heizkoerpertausch, Heizungsrohre oder ein neuer Schornsteinrueckbau hinzu.
| Anlagentyp | Geraetepreis (circa) | Einbau und Zubehoer | Gesamtkosten (circa) |
|---|---|---|---|
| Luft/Wasser, 8 bis 12 kW | 9.000 € bis 15.000 € | 4.000 € bis 8.000 € | 14.000 € bis 23.000 € |
| Luft/Wasser, 12 bis 16 kW | 12.000 € bis 18.000 € | 6.000 € bis 10.000 € | 18.000 € bis 28.000 € |
| Sole/Wasser mit Flachkollektor | 14.000 € bis 20.000 € | 10.000 € bis 16.000 € | 24.000 € bis 36.000 € |
| Sole/Wasser mit Erdsondenbohrung | 14.000 € bis 20.000 € | 16.000 € bis 25.000 € | 30.000 € bis 45.000 € |
| Wasser/Wasser (Grundwasser) | 15.000 € bis 22.000 € | 12.000 € bis 20.000 € | 27.000 € bis 42.000 € |
| Brauchwasser-Waermepumpe, 300 l | 2.500 € bis 4.500 € | 1.000 € bis 2.000 € | 3.500 € bis 6.500 € |
Betriebskosten: Waermepumpe gegen Gas und Pellets
Entscheidend ist nicht der Brennstoffpreis allein, sondern der Preis pro Kilowattstunde Nutzwaerme. Die folgende Rechnung gilt fuer ein teilsaniertes Haus mit 16.000 kWh Waermebedarf pro Jahr, einem Waermepumpenstrompreis von 26 ct/kWh und einem Gaspreis von 11 ct/kWh. Wartung und Grundpreise sind beruecksichtigt.
| Energietraeger | Endenergie pro Jahr | Preis pro kWh | Brennstoffkosten | Wartung und Grundpreis | Summe pro Jahr |
|---|---|---|---|---|---|
| Waermepumpe JAZ 3,0 | 5.330 kWh Strom | 26 ct | ca. 1.386 € | ca. 150 € | ca. 1.536 € |
| Waermepumpe JAZ 3,5 | 4.570 kWh Strom | 26 ct | ca. 1.188 € | ca. 150 € | ca. 1.338 € |
| Waermepumpe JAZ 4,0 | 4.000 kWh Strom | 26 ct | ca. 1.040 € | ca. 150 € | ca. 1.190 € |
| Waermepumpe JAZ 4,5 | 3.560 kWh Strom | 26 ct | ca. 926 € | ca. 150 € | ca. 1.076 € |
| Gas-Brennwert (95 %) | 16.840 kWh Gas | 11 ct | ca. 1.852 € | ca. 300 € | ca. 2.152 € |
| Pelletkessel (90 %) | 17.780 kWh Pellets | 7,5 ct | ca. 1.334 € | ca. 300 € | ca. 1.634 € |
| Heizoel-Brennwert (90 %) | 17.780 kWh Oel | 11 ct | ca. 1.956 € | ca. 200 € | ca. 2.156 € |
Die Rechnung zeigt die Faustregel: Unter JAZ 3,0 wird es eng, ab JAZ 3,5 liegt die Waermepumpe in der Regel vor Gas und Heizoel, ab JAZ 4,0 auch vor Pellets - und zwar ohne jedes CO2-Preisrisiko. Wer mit einer eigenen Photovoltaikanlage einen Teil des Stroms selbst erzeugt, verbessert die Bilanz um weitere 200 bis 500 Euro pro Jahr.
Foerderung: BEG, KfW und wie viel Sie zurueckbekommen
Der Heizungstausch wird ueber die Bundesfoerderung fuer effiziente Gebaeude (BEG) bezuschusst. Antraege laufen vor Beginn der Massnahme ueber die KfW; die Kombination mehrerer Bausteine ist erlaubt, die Obergrenze liegt bei 70 Prozent der foerderfaehigen Kosten. Gefoerdert werden maximal 30.000 Euro pro Wohneinheit, bei Mehrfamilienhaeusern gestaffelt hoeher.
| Foerderbaustein | Satz | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Grundfoerderung | 30 % | Einbau einer foerderfaehigen Waermepumpe im Bestandsgebaeude |
| Klimageschwindigkeitsbonus | 20 % | Austausch einer funktionierenden Oel-, Kohle-, Gasheizung (ab 20 Jahre) oder Nachtspeicherheizung |
| Effizienzbonus | 5 % | natuerliches Kaeltemittel (z. B. Propan R290) oder Erdreich- beziehungsweise Wasserwaermepumpe |
| Einkommensbonus | 30 % | zu versteuerndes Haushaltsjahreseinkommen unter ca. 40.000 € |
| Maximalfoerderung | 70 % | Deckel: 30.000 € foerderfaehige Kosten pro Wohneinheit |
| Ergaenzender KfW-Kredit | zinsguenstig | bis ca. 150.000 € Kreditsumme pro Wohneinheit |
Ein Rechenbeispiel: Eine Sole/Wasser-Anlage fuer 26.000 Euro bekommt Grundfoerderung plus Klimageschwindigkeitsbonus plus Effizienzbonus, also 55 Prozent von 26.000 Euro - das sind 14.300 Euro Zuschuss. Es bleiben 11.700 Euro Eigenanteil. Bei einem Haushalt mit kleinem Einkommen greift zusaetzlich der Einkommensbonus, dann werden bis zu 18.200 Euro erstattet.
Schallschutz, Aufstellort und Eignung im Altbau
Das Geraeusch ist der haeufigste Grund fuer Konflikte mit Nachbarn. Ein Aussengeraet erreicht in einem Meter Abstand etwa 45 bis 55 dB(A); ab 3 dB Abstandshalbierung zum Nachbargrundstueck und nachts einem strengeren Grenzwert. Mit Schallschutzhaube, schwerem Fundament, elastischer Lagerung und einem Aufstellort abseits der Schlafraumfenster laesst sich der Pegel meist um 5 bis 10 dB senken.
- Aufstellort: nicht in Raumecken, nicht zwischen zwei Waenden, Abstand zu Schlafraum- und Nachbarfenstern halten.
- Im Altbau gut geeignet: Haus mit Fussbodenheizung, gedaemmter Gebaeudehuelle, Heizlast unter ca. 100 W/m².
- Im Altbau schwierig: ungedaemmtes Haus, kleine Heizkoerper, Vorlauf ueber 60 Grad, einstrangige Heizungsrohre.
- Vor dem Einbau sinnvoll: Fenster, oberste Geschossdecke und Kellerdecke daemmen und die Heizlast damit um 2.000 bis 4.000 kWh senken.
- Warmwasser: mit einer Brauchwasser-Waermepumpe oder hoeherer Warmwassertemperatur legionellenpraeventiv betreiben, dabei die Zirkulationsverluste begrenzen.
Fazit: Im Neubau und im gut sanierten Altbau ist die Waermepumpe 2026 in fast allen Faellen die wirtschaftlichste Heizung. Im unsanierten Altbau entscheidet die Vorlauftemperatur - wer vor dem Heizungstausch in Daemmung und grosse Heizflaechen investiert, holt die JAZ in einen Bereich, in dem sich die Anlage rechnet.
Haeufige Fragen
Was kostet eine Waermepumpe im Betrieb pro Jahr?
Bei 16.000 kWh Waermebedarf und einem Strompreis von 26 ct/kWh liegen die Betriebskosten je nach JAZ zwischen etwa 1.100 und 1.550 Euro inklusive Wartung. Eine Gasheizung kostet im gleichen Haus rund 2.150 Euro.
Reicht eine Waermepumpe auch im Altbau mit Heizkoerpern?
Grundsaetzlich ja, wenn die Vorlauftemperatur auf etwa 45 bis 55 Grad gesenkt werden kann. Dafuer werden meist einzelne Heizkoerper gegen groessere Niedertemperatur-Modelle getauscht. Bleibt der Vorlauf bei 65 bis 70 Grad, sinkt die JAZ und der Stromverbrauch steigt deutlich.
Wie laut darf eine Luft-Wasser-Waermepumpe sein?
Im reinen Wohngebiet gelten nachts niedrige Immissionsrichtwerte; in einem Meter Abstand liegen moderne Aussengeraete bei etwa 45 bis 55 dB(A). Mit ausreichendem Wandabstand und Schallschutzhaube sind die Abstaende zum Nachbargrundstueck meist einzuhalten.
Lohnt sich eine Photovoltaikanlage zusammen mit der Waermepumpe?
Ja, wenn der Eigenverbrauch realistisch gesteigert wird. Eine 10-kWp-Anlage deckt in einem typischen Einfamilienhaus etwa 25 bis 35 Prozent des Waermepumpenstroms und senkt die Stromkosten um rund 250 bis 550 Euro pro Jahr.
